Vom 20. bis 29. Juni fanden in Pontevedra, Galicien (Spanien) die Multisport-Weltmeisterschaften statt mit diversen Disziplinen (Duathlon, Cross-Duathlon, Cross-Triathlon, Aquathlon, Long Distance Triathlon und Long Distance Aquabike). Die sehr schöne nordspanische Stadt war in den letzten Jahren immer wieder Ausrichter von Welt- oder Europameisterschaften. In diesem Jahr war Kai zum vierten mal dort – begleitet natürlich von Olaf, der sich verletzungsbedingt jedoch selbst für keinen der Wettkämpfe angemeldet hatte. Für Kai stand der Aquathlon (1 km Schwimmen + 5 km Laufen) am Freitag 27.06. und Langdistanz-Aquabike (3 km Schwimmen + 120 km inkl. ca. 1600 hm Radfahren) am Sonntag 29.06 auf dem Programm.

Beim Aquathlon am Freitag bei angenehm warmen Temperaturen belegte Kai nach einem guten Rennen erwartungsgemäß keinen Medaillenrang und wurde achte in ihrer AK (50 bis 54). Der Langdistanz-Aquabike am Sonntag fand zusammen mit dem Langdistanz-Triathlon statt. Während die Profitriathleten als erste noch bei frischen 21 °C Lufttemperatur an den Start gingen, nahm die Lufttemperatur immer weiter zu. Bei Kais Start war die Luft dann schon mit 23,5 °C so warm wie das Flusswasser. Leider durfte trotz der warmen Temperatur mit Neoprenanzug geschwommen werden und das Schwimmen war nicht sehr erfrischend. Die Schwimmstrecke im Fluss Lérez startete mit schnellen Zwischenzeiten flussabwärts. Die Strecke nach der Wende nahm dann gefühlt kein Ende. Am Wasserausstieg kam Kai schließlich mit ca. 6,5 Minuten auf die zweitplatzierte ihrer AK aus dem Wasser. Die Platzierung war aber nicht erkennbar, da sich während der 3 km im Fluss sämtliche Startgruppen gut vermischt hatten.

Nach einem schnellen Wechsel ging es dann auf die drei Runden lange Radstrecke, wo jede Runde drei Wendepunkte beinhaltete. Zuerst war ein kurzer technischer flacher Teil mit vielen Kurven und Bremsschwellen zu fahren, bevor es dann gut 10 km lang bergauf ging. Die Lufttemperatur betrug nun bereits 28 °C und sollte im Laufe des Tages noch auf 34 °C ansteigen. Dies war besonders an den Steigungen und am Abzweig zum ersten Wendepunkt zu merken, wo die Sonne auf den Asphalt und die Helme der Athleten knallte und kein Lüftchen wehte. Nach dem zweiten Wendepunkt und der dann folgenden schnellen Abfahrt mussten in der Stadt am Ufer des Ría de Pontevedra größtenteils flach ca. 7 km mit diversen steilen Bremsschwellen bis zu einem Wendepunkt und zurückgefahren werden. Während zu Beginn des Rennens kaum Wind wehte, frischte dieser im Laufe des Tages aus Richtung des Atlantiks auf.  Von den Athleten und Athletinnen wurde dieser zwar nicht wirklich willkommen geheißen, brachte aber leichte Abkühlung auf dem flachen Wendepunkt-Stück.

In der Runde gab es zwei Verpflegungsstellen, so dass man theoretisch alle 20 km Getränke und Verpflegung bekommen konnte. Leider gingen den Helfern aber bereits in der Mitte von Kais zweiter Radrunde die Radflaschen mit Wasser und Iso aus, und sie gaben nur noch kleine Wasserflaschen mit 0,3 l Inhalt aus, die man sich wirklich gut einteilen musste, denn die Flaschen hielten kaum in den Haltern. Kai steckte sich deshalb nach überwundener Überraschung an jeder Verpflegungsstelle eine Flasche vorn in den Einteiler und trank eine zweite sofort. Jedoch war es nicht mehr möglich Wasser zum äußerlichen Abkühlen zu bekommen. Einige Starter bekamen in folge Probleme, mussten am Straßenrand anhalten und sich ausruhen. Mindestens ein Athlet sammelte die an den Bremsschwellen verlorenen Flaschen von der Straße auf und trank den Inhalt. Am höchsten Punkt auf der zweiten Radrunde stand Olaf, der alle Teilnehmer anfeuerte und auch Kai zurief, dass sie die Führende sei. Das brachte Motivation. Die letzte Radrunde am Berg fühlte sich dann allerdings an wie in einem Backofen und Kai versuchte nur noch einigermaßen gut ins Ziel zu kommen, zumal von hinten keine anderen Damen aufzuschließen schienen. Endlich waren die 120 km gefahren und das zu durchfahrende Aquabike-Ziel nach insgesamt 05:12:35 Stunden erreicht. Obwohl das Rennen für die Aquabiker hier bereits beendet war und die Zielzeit feststand, musste ganz wie beim Triathlon vor der Linie abgestiegen, das Rad in die Wechselzone gebracht, der Helm im Wechselbeutel gelassen und noch ca. 300 m zum Zielbogen im Stadion gelaufen (oder gegangen) werden. So war die Platzierung deutlich anhand der im Ständer (nicht) vorhandenen Räder erkennbar. Kais Rad war das einzige vorhandene Rad im Bereich der Startnummern ihrer AK – damit war für sie klar, dass sie tatsächlich Erste geworden war. Der Sprecher machte es am Zielbogen dann offiziell mit „Kai, you are the Long Distance Aquabike World Champion in your Age Group“!

Text: Kai Sachtleber (ed. Conny Kranczioch)